Schnee lockt Wintergäste in die Stadt
Bergfink im Winter - Foto: Frank Derer
Dem Spatz geht es auch in Bremen immer schlechter. Das zeigte die Stunde der Wintervögel des NABU am zweiten Wochenende im Januar. Am vergangenen Freitag endete die Meldefrist für Beobachtungen aus Gärten, Parks und von Balkonen. Mitmachen konnte bei der im Jahr 2011 erstmals durchgeführten Citizen-Science-Aktion jede und jeder.
Hielt sich der Haussperling in Bremen bisher meist auf Platz 3, zuletzt eher Platz 4, ist er in diesem Jahr auf Platz 7 abgerutscht. Seit der ersten Zählung im Jahr 2011 verringerte sich seine Anzahl um 40 Prozent. „Der Trend ist bundesweit erkennbar“, erklärt Florian Scheiba, Vogelkundler beim NABU Bremen. Die wichtigsten Ursachen sind fehlende Nistmöglichkeiten durch Gebäudesanierungen sowie naturfern gestaltete Gärten, in denen es an Nahrung und Verstecken fehlt.
Weniger leiden Kohl- und Blaumeise, die auch in diesem Jahr erneut die beiden vorderen Plätze belegen. Vermutlich trieb der Schnee die ohnehin gern Futterstellen annehmenden, bunten Vögel vermehrt in die Nähe von Häusern und Fenstern. Auch Amsel, Rotkehlchen und Buchfink picken gern aus Futtersäulen und -häuschen. Die überdurchschnittlich häufigen Sichtungen von Rot- und Wacholderdrossel, Erlenzeisig und Bergfink führt der NABU ebenfalls auf den Schnee zurück, der diese typischen Wintergäste aus nördlichen Regionen oder dem Freiland in die Stadt trieb. Wasservögel dagegen wurden seltener gemeldet. Sie sammelten sich vermutlich aufgrund der teilweisen Vereisung auf wenigen größeren Gewässern.
Positiv entwickelte sich die Anzahl der Teilnehmenden. An der diesjährigen Zählung nahmen 886 Vogelfreunde an 625 Orten in Bremen teil. In den Vorjahren wurde nur an 410, 494 und 380 Orten gezählt. Gesunken ist dagegen die Anzahl der Vögel je Beobachtungsort, womit sich ein Trend der Vorjahre fortsetzt: 24,36 in diesem Jahr, 25 im Jahr 2025 und 28 im Jahr 2024. „Auch hier spiegelt sich der weiter anhaltende Verlust an Nistmöglichkeiten und Lebensraum wider“, so Florian Scheiba. Abhilfe schaffen mehr Nischen an Gebäuden, heimische Pflanzenarten als Nahrungsquelle für die Tierwelt, abwechslungsreiche Gestaltung durch Stauden, Wiesenflächen, Totholz und Sträucher sowie Entsiegelung von gepflasterten Flächen.
Bundesweit wurden 102.000 Beobachtungen von mehr als 145.000 Teilnehmenden gemeldet. Das ist die dritthöchste Anzahl seit dem Start der Stunde der Wintervögel. Hier steht auch der Spatz noch an Platz 1, dicht gefolgt von Kohl- und Blaumeise.
