Die bedeutende Funktion von Krähen
Saatkrähenkolonie - Foto: Mathias Schäf
Sie haben einen schlechten Ruf, krächzen und treten manchmal in Scharen auf. Doch Krähen vertilgen auch Schädlinge in Garten und Feldflur. Krähenkolonien lassen sich an mehreren Orten in Bremen beobachten. Gerade jetzt im Frühjahr ist hier das Brutgeschäft hoch oben in den Baumkronen voll im Gange. Die Vögel kommunizieren jetzt besonders intensiv, was einigen Menschen vor allem in den Morgenstunden auffällt. Unter den Nestern liegen zahlreiche Zweige und kleine Äste, die beim Ausbessern der alten Nester herunterfielen. „Manchmal wirkt das auf Menschen unheimlich“, berichtet Florian Scheiba, Naturschutzreferent beim NABU Bremen, aber die Tiere seien mit ihrem Kolonie- und Familienleben so beschäftigt, dass sie Menschen am Boden nicht beachten – oder auch gewohnt sind, wenn ein regulärer Weg dort entlangführt. Nach einigen Wochen beruhigt sich die Lage, so der NABU. Ab etwa Mitte Mai werden die Jungen flügge. Allerdings kann gerade dann ein auf dem Boden hockendes Jungtier noch von den Eltern verteidigt werden.
„Doch längst nicht alle Krähen brüten in Kolonien“, betont der Vogelkundler. „Krähe ist nicht gleich Krähe.“ Typische Koloniebrüter sind die Saatkrähen. Sie fressen fast alles, was ihnen vor den Schnabel kommt: auch die Larven von Schadinsekten oder seltener eine kleine Maus. Damit halten sie Schädlinge auf dem Acker in Schach. Ausgewachsene Saatkrähen besitzen einen grauen Schnabelgrund, eine sogenannte Federhose an den Beinen und schreiten meist über den Boden. „Bei Jungvögeln sind diese Merkmale zuweilen noch nicht ausgeprägt, was zu Verwechslungen mit der Rabenkrähe führt“, erklärt Scheiba. Ihre Beine sind kahl und sie hüpfen oft über den Boden.
Rabenkrähen bauen jedes Jahr ein neues Nest: einzeln, gut geschützt in Baumkronen und bevorzugt in der Nähe von Häusern. „Dass sich viele Saatkrähenkolonien ebenfalls in Siedlungen befinden, ist eine Folge der Vertreibung aus der freien Landschaft“, begründet Florian Scheiba die ähnliche Ortswahl. Die Vorjahresnester der Rabenkrähen finden Nachmieter, beispielsweise Falken und Eulen. „Rabenkrähen sind in Gärten und Parks oft allein auf Nahrungssuche“, so der NABU-Mitarbeiter. Sie fressen buchstäblich alles und halten die Natur damit quasi sauber. Darunter können selten auch Gelege von Singvögeln sein, allerdings leiden diese sehr viel mehr unter dem Eiraub von Hauskatzen sowie der Naturferne von Gärten.
Rabenkrähen nutzen gern erhöhte Sitzwarten: in Gärten auf Bäumen, in ländlichen Gebieten beispielsweise auch auf einem Futtersilo. Hier hocken sie dann kaum unterscheidbar zwischen Saatkrähen. Schaden am Silo richten sie nur an, wenn dieser nicht ausreichend geschützt wurde.
Raben, besser Kolkraben, finden sich selten in Stadtnähe, denn sie sind typischerweise Bewohner von Wäldern mit angrenzendem Kulturland. Nur noch selten fliegen die Vögel, die doppelt so groß wie Krähen sind, am Himmel. Kleiner als Krähen sind dagegen Dohlen mit ihrem eher grauen Gefieder am Hals und ihren hellen Lauten. Als Höhlenbrüter nutzen sie Spechthöhlen, größere Nistkästen mit weitem Loch oder auch mal einen Schornstein. Auf Grünflächen und Weideland suchen sie gern gemeinsam mit ihren größeren Saatkrähen-Verwandten zusammen nach Nahrung.
„Solch größere Gruppen fallen oft auf“, erklärt Florian Scheiba. „Doch Rückschlüsse auf die Größe der Population daraus sind nicht möglich.“ Als eine der klügsten und lernfähigsten Vogelgattungen finden sie schnell die besten Nahrungsgründe. Größere Gruppen bieten zudem Schutz vor Habicht und anderen Feinden. Saatkrähen ziehen im Winter inzwischen gern in die wärmere und vor allem durch Müll und Abfälle nahrungsreiche Stadt, dazu kommen Wintergäste aus östlichen Gebieten. Die Größe der Brutpopulation reguliert sich durch das Nahrungsangebot und insbesondere bei den Koloniebrütern auch durch die Grenzen und damit die Maximalzahl der Brutpaare der Kolonie. Gleichzeitig gibt es etliche nicht brütende Vögel, die Lücken schnell schließen. Die enorme Flexibilität der Rabenvögel belegen Untersuchungen zu Bejagung und Vergrämung. Unter beidem leiden die betroffenen Individuen oft sehr - bei gleichzeitiger Unwirksamkeit auf die Gesamtanzahl.
