Sorge um Spatzen, Aufatmen bei den Finken
22. Stunde der Gartenvögel des NABU mit durchwachsenen Ergebnissen
Buchfink - Foto: Mathias Schäf
Bei der diesjährigen Stunde der Gartenvögel des NABU am zweiten Maiwochenende standen die Finken unter besonderer Beobachtung, denn es wurde eine Infektionswelle mit sogenannten Trichomonaden befürchtet, die oft an Futter- und Wasserstellen übertragen werden. Verringert wird die Übertragungsgefahr durch tägliches Wechseln des Wassers und Nutzung von Futtersäulen. Während bundesweit beim Buchfink ein Plus von 14 Prozent verzeichnet wurde, sind die Veränderungen in Stadt und Land Bremen mit einstelligen Prozentzahlen gering. Der Buchfink belegt in Bremen Platz 14 gefolgt vom Grünfink auf Platz 15.
Die vorderen Plätze teilen sich weiterhin Kohlmeise, Amsel und Blaumeise. Im Land Bremen wurde in 230 Gärten gezählt, 213 davon in der Stadt Bremen. Dabei wurden im Schnitt 23,09 Vögel je Garten erfasst, im Vorjahr waren es noch 23,58. Das ist nicht nur ein relativer Rückgang zum Vorjahr, es ist gegenüber dem Bundesdurchschnitt von 28,43 Vögeln je Garten ein schlechter Wert und zeigt nach Ansicht des NABU Bremen den dringenden Bedarf für Schutzmaßnahmen.
Das gilt vor allem für Gebäudebrüter, deren Bestandsentwicklung der NABU Bremen bereits seit einiger Zeit beobachtet. Ihnen gehen im dicht besiedelten Stadtgebiet die Nistplätze aus, was die Bremer Zählungsergebnisse erklären kann. Schon lange haben Spatzen hier das Nachsehen: Bereits im Vorjahr standen sie auf Platz 8 und rutschten jetzt auf Platz 11 ab, bei Verlusten von über 40 Prozent. Auch weitere typische Gebäudebrüter zeigen einen abnehmenden Trend. Am deutlichsten ist die Abnahme gegenüber dem Vorjahr bei der Mehlschwalbe: 80 Prozent Rückgang. Auch die Rauchschwalbe mit einem Minus von 17 Prozent und der Mauersegler mit 14 Prozent Minus verlieren gegenüber dem Vorjahr deutlich. Zwar kann auch eine spätere Rückkehr aus den Winterquartieren die Ergebnisse beeinflusst haben, aber diese Arten sind nicht nur Gebäudebrüter, sondern auch Insektenfresser. „Insektenschwund und nicht vogelfreundliche Sanierung alter Gebäude können sich leicht aufsummieren“, vermutet Vogelschutzexperte Florian Scheiba vom NABU Bremen. „Im ersten Schritt braucht es bei Sanierungen und Neubau mehr Augenmerk für die Bedürfnisse von Gebäudebrütern“, fordert Scheiba. Dann fänden sich mit speziellen Fassadensteinen, gezielten Schlupflöchern und mehr auch Lösungen.
Die nächste Vogelzählung ist die „Stunde der Wintervögel. Sie findet vom 8. bis 10. Januar 2027 statt.
