Wildtiere leiden unter Müll
NABU Bremen ruft zu Abfallvermeidung und Müllsammeln auf
Glassplitter auf Straße - Foto: NABU/Jan Piecha
Vogelkundler finden immer wieder Nester, in denen Kunststoffbänder und Plastikfasern verflochten sind. Scharfkantiger Abfall verletzt Igelpfoten und Vogelschnäbel. Unter Haufen von Grasschnitt ersticken Wildkräuter als wichtige Nahrungsquelle für Insekten. Regelmäßig melden sich beim NABU Bremen besorgte Menschen mit Müllfunden. Deshalb ruft der NABU dazu auf, Verpackungen, Grünschnitt und Abfälle jeder Art stets in den passenden Tonnen, in Abfallbehältern ober über Recyclinghöfe zu entsorgen.
Müllablagerungen, wie sie regelmäßig in vielen Stadtteilen gefunden werden, sind nicht nur ein optisches Ärgernis. Kunststoffe, Glas, Blech und Aluminium verrotten nicht, sie sammeln sich in der Natur an. Das gilt leider auch für zahlreiche Biokunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, die sich chemisch von ihren erdölbasierten Alternativen meist nicht unterscheiden. Sogar Papier kann schädliche Zusatzstoffe enthalten, beispielsweise Druckerfarbe. „Es gibt grundsätzlich keine Abfälle, die einfach fallen gelassen oder ausgekippt werden dürfen“, betont Florian Scheiba vom NABU Bremen. Dazu kommt: „Bei jedem Windstoß wird ein Teil weggeweht und verfängt sich in Gehölzen und in Blühwiesen. Teile werden erneut abgerissen, in Fleete und Flüsse gespült und stückweise zerkleinert, bis sich schließlich alles im Meer sammelt oder zu Mikroplastik wird”, warnt der Naturschutzreferent. Bei manchen Meeresarten findet sich in jedem zweiten Tier Mikroplastik – das so auch auf den eigenen Teller zurückkehren kann.
Aus der Ferne können Wildtiere kaum zwischen den Resten einer alu-glitzernden Müsliriegel-Verpackung und Wasser zum Durstlöschen unterscheiden. Kunststoffband ist in manchem Vogelnest kunstvoll mit kleinen Zweigen zusammen eingeflochten, und kann dafür sorgen, dass sich Jung- und Altvögel darin verfangen und verenden. Anderes wird gefressen und täuscht einen vollen Magen vor. „Im schlimmsten Fall verhungern die Tiere“, beschreibt Scheiba die Folge.
Während Brennnessel, Giersch, Melde und Klettenlabkraut im nährstoffreichen Garten regelmäßig gedeihen, sollten sie in der Landschaft eher selten zu finden sein. Immer wieder aber wachsen sie unvermittelt üppig auf kleinen Flächen. Nicht selten ist die Ursache Rasenschnitt oder andere Gartenabfälle, die hier einige Zeit zuvor einfach abgeladen wurden. Die Grünabfälle bereichern den Boden unvermittelt mit Nährstoffen, die Stickstoff- und Nährstoffzeiger wie Melde besonders effektiv nutzen können und dabei die ursprüngliche Artenvielfalt verdrängen. „Grün ist nicht gleich Grün”, betont Scheiba. Das gilt auch für etliche weitere Gartenpflanzen, die mit Grünabfall in der Natur landeten: beispielsweise die silberblättrige Taubnessel, die stellenweise großflächig Waldboden bedeckt. Jeglicher Gartenabfall, der nicht selbst kompostiert wird, gehört in die Biotonne oder auf den Recyclinghof. Dabei ist die Annahme von Gartenabfall auf Bremer Recyclinghöfen bis zu einem Kubikmeter kostenfrei.
Gut 450 Kilogramm Abfall pro Kopf und Jahr zählte das Bundesumweltamt im Jahr 2023. Verpackungen, Papier und Pappe machten davon gut 16 Prozent oder über 70 Kilogramm pro Person aus. Doch nur wenige Teile davon reichen aus, die Natur zu verunreinigen. Egel, ob sie versehentlich verloren gingen oder achtlos hingeworfen wurden. Äpfel lassen sich ohne Plastikhülle kaufen oder zumindest zu Hause statt im Freien auspacken. So hat auch die plötzliche Windböe keine Chance, die Folie wegzufegen. Besteck aus der Schublade zu Hause wird bestimmt wieder eingepackt, während die Einweg-Kunststoffgabel schon mal im Gras liegen bleibt. Gutes tut auch, wer nicht nur seinen eigenen, sondern auch fremden Müll einsammelt und im nächsten Abfallbehälter entsorgt.
