Wie gut schützt uns die Natur noch?
Index zeigt Defizite beim natürlichen Klimaschutz in Bremen
ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index 2021-2025, Land Bremen - Grafik: ECONICS Institut
Deutschland verliert die natürliche Schutzfunktion seiner Landschaften: Der am 14. Juli vom NABU und dem ECONICS Institut in Berlin vorgestellte ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index (GFKI) 2026 zeigt bundesweit, wie leistungsfähig Natur bei Kühlung, Wasserrückhalt und Klimaanpassung ist. Das Ergebnis alarmiert: Viele Regionen verlieren ihre Fähigkeit, Hitze zu mildern, Wasser in der Landschaft zu halten und die Folgen der Klimakrise abzufedern.
„Auch in Bremen zeigt sich, wie wichtig intakte Natur für den Schutz vor Hitze, Dürre und Starkregen ist. Gute Werte gibt es hier vor allem für Gebiete in Stadtrandlage, wie das Blockland oder die Luneplate in Bremerhaven. In den dichtbesiedelten, innerstädtischen Bereichen sind die wertvollen Landschaftsfunktionen dagegen stark eingeschränkt, auch wenn sich ein positiver Trend erkennen lässt“, stellt Gerd Richter, Vorstandsvorsitzender des NABU Landesverband Bremen dazu fest.
Der Grün-Feucht-Kühl-Index macht deutlich: Natur ist keine Kulisse, sondern unsere natürliche Infrastruktur. Intakte Wälder, Moore, Auen und Grünflächen speichern sowohl in der, als auch um die Stadt Wasser, kühlen ihre Umgebung und machen unsere Landschaften widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise. Doch das jüngst verabschiedete Infrastruktur Zukunftsgesetz weist gerade in die Gegenrichtung: Die Möglichkeit des finanziellen statt realen Ausgleichs für Naturverbrauch durch Verkehrs- und Energiebauten lässt befürchten, dass dadurch noch mehr Betonwüsten ohne grüne Infrastruktur entstehen. Insofern begrüßt der NABU Bremen, dass das Land Bremen bei der Abstimmung über das Gesetz im Bundesrat vergangene Woche nicht zugestimmt hat.
Der GFKI bewertet Landschaften anhand der drei Faktoren Grün, Feucht und Kühl. Besonders intensiv genutzte Agrarregionen, stark versiegelte Städte und ausgebaute Gewässerräume weisen häufig Defizite auf. Der bundesweite Trend ist negativ. „Die Ergebnisse des ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index und seines Veränderungstrends beruhen nicht auf Experteneinschätzungen, sondern werden gemessen. Es werden vor allem große Mengen hochauflösender Satellitendaten eingesetzt. Neu ist auch, dass wir sehr konkret vorschlagen, welche Gebiete mit hoher Priorität geschützt, stabilisiert oder wiederhergestellt werden müssen“, sagt Studienautor Prof. Dr. Pierre Ibisch.
„Auch in Bremen sehen wir, dass wir unsere natürlichen Schutzfunktionen stärken müssen. Es dürfen keine weiteren Flächen versiegelt werden, insbesondere nicht durch neue Baugebiete auf der grünen Wiese. Natürliche und naturnahe Flächen außerhalb der Innenstadtbereiche müssen geschützt und gefördert werden, ebenso das Stadtgrün in Bremerhaven und Bremen - als Investition in Klimaschutz und Klimaanpassung, ganz im Sinne einer Schwammstadt“, betont der Bremer NABU-Vorstand Gerd Richter.
Gleichzeitig zeigt der Index: Renaturierung wirkt. Wo natürliche Prozesse zugelassen und geschädigte Ökosysteme wiederhergestellt werden, können Landschaften ihre Funktionen zurückgewinnen, etwa durch regenerative Landwirtschaft mit Zwischenfruchtfolgen, mehr Grün und naturnahe Gewässer in den Städten sowie um Umland die Wiedervernässung von Mooren, die Renaturierung von Flüssen und Auen.
Dass die Bevölkerung diesen Weg unterstützt, zeigt auch eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des NABU: Über 90 Prozent der Menschen in Bremen befürworten das EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur. Die Ergebnisse unterstreichen den breiten gesellschaftlichen Rückhalt für die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und für Renaturierungsmaßnahmen als wirksamen Beitrag zum Klima-, Natur- und Hochwasserschutz.
Der NABU fordert Bund und Länder auf, die natürliche Infrastruktur konsequent zu stärken. Dazu gehören die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung, ein Bundesgesetz für Natürliche Infrastruktur sowie mehr Tempo bei der Renaturierung und der Vernetzung von Lebensräumen.
