Ruhe und Vielfalt für den Herbstgarten
NABU Bremen gibt Tipps für igel- und wildtierfreundliche Pflege
Mönchsgrasmücke an Wildstrauch - Foto: NABU/Mathias Schäf
Das Rotkehlchen trällert die letzten Töne des Sommers aus dem Schutz einer Hecke heraus. Jungmeisen aus der zweiten oder dritten Brut haben das Betteln nach Futter noch nicht aufgegeben. Sie suchen den Schutz und die Deckung, die Gebüsche und hohe Stauden bieten. Durch das sich jetzt langsam lichtende Laub ist manch verlassenes Nest zu erkennen. Amseln wachen über bunte und nahrhafte Beeren heimischer Gehölze, die jetzt an den Zweigen reifen.
Heimische Gehölze, Stauden und andere wilde Ecken bieten der Natur die besten Möglichkeiten, sich zu entfalten. Waren sie im Frühjahr und Sommer vor allem noch Kinderstube, wandeln sie sich im Herbst zu Überwinterungsplätzen. Nahrung bieten sie immer. Wilde Ecke können laut NABU Bremen ein kleines Stück Wiese, ein Gebüsch oder ein Beetstreifen sein. „Die Natur dankt es uns mit Vogelgezwitscher und Igelschnaufen, wenn wir im Garten nicht alles weg- und aufräumen“, so Hajo Kaemena, Leitung des NABU-Naturzentrums.
Der Rückschnitt abgeblühter Stauden sollte laut NABU auf den kommenden Frühling verschoben werden, damit die Eier und Puppen von Insekten in und an ihnen überwintern können. Sie verstecken sich auch im Laub unter Gehölzen. Zudem fühlen sich hier Regenwürmer, Käfer, Ohrwürmer und Schnecken wohl, der Igel kann sich ungestört in der Dämmerung den Bauch vollschlagen und sich so den nötigen Winterspeck anfressen. Gehölze, hohe Stauden und andere Wildnis schirmen teilweise auch das Licht ab, das die stacheligen Gartenbewohner meiden.
Später schützen Laub und Reisighaufen vor Kälte. Igel verschlafen hier den Winter, Amphibien liegen sicher geschützt in ihrer Winterstarre. Die Körnerfresser unter den Gartenvögeln, wie Stieglitz und Dompfaff, fliegen auf die Samenstände verblühter Stauden von Wilder Karde, Distel und Königskerze, solange der Vorrat reicht. Hagebutten sowie die Früchte von Schneeball, Pfaffenhütchen, Weißdorn und anderen heimischen Wildsträuchern bieten bestes Vogelfutter, teils bis in das kommende Frühjahr hinein. Auch die Äpfel einiger alter Wintersorten bleiben lange am Baum.
„Beim traditionellen herbstlichen Reinemachen im Garten gehen zahlreiche dieser Lebensräume und Quartiere verloren“, betont Hajo Kaemena. Ein zurückhaltender Schnitt an Steinobst, vielleicht noch das Teilen einiger Stauden zählen zu den wenigen Herbstarbeiten im Garten. Später kann noch das Laub von Wegen unter Gehölze gefegt werden, größere Mengen auch in der Nähe einer wilden Ecke aufgehäuft werden.
Mit diesen NABU-Tipps kann jeder viel für den Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt im eigenen Garten tun:
- an der Sammelbestellung für Wildsträucher des NABU Bremen teilnehmen unter bremen.nabu.de/sammelbestellung
- verblühte Stauden als Winterquartier für Insekten und Nahrung für Vögel stehen lassen
- Laub- und Reisighaufen als frostfreies Quartier für Igel, Frösche und Insekten anlegen
- morsches Holz im Garten liegen lassen oder aufschichten
- wilde Ecke für Tieren und Pflanzen im Garten anlegen
- Hagebutten und die Früchte anderer Wildsträucher und von Obstbäumen als natürliches Vogelfutter stehen lassen
- Kunstlicht am Haus und im Garten vermeiden
- Nistkästen mit einer Bürste ausfegen, um Vögeln einen Schlafplatz im Winter zu bieten
